WARUM DIE NORMANDIE?

Bereits ab 1942 leiteten die Alliierten Überlegungen zu dem Ort ein, an dem sie zum gegebenen Zeitpunkt versuchen würden, an den europäischen Küsten zu landen. Von den norwegischen Fjords über die Bretagne bis hin zum Golf der Gascogne wurden dabei alle möglichen Hypothesen in Betracht gezogen. Relativ rasch kristallisierte sich jedoch der Sektorzwischen dem Pas-de-Calais und der Seine-Bucht heraus.

Die Region Pas-de-Calais stellte dabei allem Anschein nach die günstigste Lösung dar: eine außergewöhnlich kurze Überfahrt über den Ärmelkanal und somit eine optimale Deckung des Luftraums für die Alliierten und eine rasche Rotation der Versorgungsschiffe. Außerdem stellt die Region Pas-de-Calais den kürzesten Weg in das Herz des Reichs, das wichtigste Ziel der Operation Overlord dar. Doch die Deutschen kennen diese Fakten genau so gut wie ihre Gegner. Sie sind deshalb der Überzeugung, dass der Ansturm im Pas-de-Calais erfolgen wird. Infolgedessen sind die Befestigungen des Atlantikwalls hier bedeutend erschreckender als anderswo und beinhalten enorme Artillerie-Küstenbatterien. Außerdem hat der Generalstab hier seine besten Truppen platziert: So war die angsteinflößende 15. Armee von General von Salmuth dort in einer schwer zu durchbrechenden doppelten Verteidigungslinie platziert.

Aus diesen Gründen sollen die alliierten Strategen diese für die Deutschen zu leicht vorhersehbare Lösung rasch ausschalten. Im Juli 1943 spricht sich der unter der Leitung von General Morgan stehende und mit der Vorbereitung der Landungsoperationen beauftragte COSSAC-Stab zugunsten der Küsten der Normandie aus: “Die Erfolgschancen einer Landung in diesem Sektor sind dermaßen größer, dass unserer Meinung nach alle möglichen Nachteile durch die sich bietenden Vorteile aufgewogen werden.” Zu den Nachteilen zählen beispielsweise eine spürbar längere Überfahrt (rund 150 km) und eine für die mit der Unterstützung der Bodenoperationen beauftragten Jagdflugzeuge schwierigere Aufgabe. Doch die Seine-Bucht bietet weite, gut zugängliche Strände die von den Westwinden durch die Cotentin-Halbinsel geschützt sind und sich somit ideal für einen Ansturm mit Amphibienfahrzeugen eignen. Außerdem sind die deutschen Verteidigungslinien in diesem Sektor bedeutend weniger beeindruckend.

Die endgültige Entscheidung fällt bei der im August 1943 in Québec abgehaltenen Quadrant-Konferenz, der Präsident Roosevelt und Premierminister Winston Churchill persönlich beiwohnen.

Somit beschließen die Alliierten, den militärischen Überlegungen der Deutschen und den sich hieraus ergebenden Prognosen einen Streich zu spielen. Deshalb galt es, alles tun, um den Gegner in seiner Fehleinschätzung zu bestärken. Dies war das Ziel des Fortitude genannten Täuschungsmanövers.