DIE LANDSPITZE POINTE DU HOC

Einige Kilometer östlich des kleinen Fischerhafen Grandcamp bildet die Klippe einen Felsvorsprung von rund 30 m Höhe, der steil auf einen engen Kieselstrand abfällt: Diesen Felsvorsprung nennt man Pointe du Hoc. An diesem besonders günstig gelegenen Standort hatten die Deutschen eine starke Artilleriebatterie errichtet, mit der sie einen besonders breiten Küstenabschnitt abdecken konnten. Sie stellt eine fürchterliche Bedrohung für die beiden für die Landung der amerikanischen Truppen gewählten Strände, Utah Beach im Westen und Omaha Beach im Osten, dar.

Angesichts der Gefahr, die die Kanonen der Pointe du Hoc darstellten, hatten die alliierten Strategen beschlossen, sie unschädlich zu machen. Zwar sollten in den Wochen vor der Landung die Luftangriffe auf die Batterie verstärkt werden, doch da deren Ergebnisse unsicher waren, wird aus Vorsichtsgründen beschlossen, die Position im Morgengrauen des D-Days zu erobern. Hierzu wird über das Meer ein Kommando abgesandt, das die Klippe mit Seilen und Leitern erklimmen soll.

Diese schwierige Aufgabe wird dem 2. Rangerbataillon von Leutnant-Kolonel E. Rudder anvertraut. Den mit Booten vor Ort antransportierten Männern der Kompagnien D, E und F gelingt das unglaubliche Meisterstück, den Gipfel in nur wenigen Minuten zu erreichen. Und zwar trotz der extrem rutschigen Felswand, der vom Meerwasser beschwerten Seile und der Beschüsse der Verteidigungslinien. In einer von tiefen Kratern durchzogenen, mondähnlichen Landschaft beginnt dann ein verbissener Kampf, der letztendlich mehr Menschenleben fordern soll als der Aufstieg selbst.

Die Ranger erwartet eine erhebliche Überraschung. Sie mussten nämlich entdecken, dass die Kanonen durch große Holzbohlen ersetzt worden waren. Die Kanonen waren aus Sicherheitsgründen im April von der Stelle gerückt und ins Landesinnere transportiert worden, wo sie von einer amerikanischen Patrouille auch gefunden und durch Sabotage außer Gefecht gesetzt wurden.

Dies ist der Anfang schrecklicher Stunden für Rudders Männer. Sie werden an der Pointe du Hoc eingekesselt und sind ohne Verstärkung den von allen Seiten kommenden starken Gegenangriffen der Deutschen ausgesetzt. Erst am 8. Juni sollen sie gegen Mittag von den von Omaha vorstoßenden alliierten Truppen befreit werden. Von den 225 mit diesem waghalsigen Unterfangen beauftragten Rangern sind zu diesem Zeitpunkt nur noch 90 kampffähig. Rund 80 ihrer Kameraden hatten auf diesem kleinen Stück Erde in der Normandie ihr Leben gelassen.