DIE ERWEITERUNG DES BRÜCKENKOPFES

Am 6. Juni 1944 gelang es den Alliierten an der Küste der Normandie Fuß zu fassen. Doch ihre Stellungen sind noch nicht gefestigt und der zunächst überraschte Gegner setzt rasch zum Gegenangriff an. Jetzt beginnt die Schlacht um die Konsolidierung und Erweiterung des Brückenkopfes. Die zehn darauf folgenden Tage sollen sich als entscheidend erweisen. Für die Briten und Amerikaner geht es darum, so rasch wie möglich Verstärkungstruppen an Land zu setzen und dabei die Ankunft der feindlichen Verstärkung an den Küsten der Normandie so weit wie möglich zu verzögern.

In einem Umkreis von 300 Kilometern um die Landungsstrände verfügen die Deutschen über 27 Divisionen, darunter 4 Panzerdivisionen, die sie in wenigen Tagen in die Schlacht einbringen können, und verfügen somit über einen unleugbaren zahlenmäßigen Vorteil. Da die alliierten Soldaten somit theoretisch gezwungen sind, sich der doppelten Anzahl von Feinden zu stellen, ist die Gefahr groß, dass sie sich in Richtung Meer zurückdrängen lassen.

Doch die verbundene und hochwirksame Aktion der alliierten Luftfahrt und des Widerstands sorgt dafür, dass die Karten neu gemischt werden. Auf den Straßen fallen die deutschen Konvois den Jagdbombern zum Opfer, die unerbittlich über sie herfallen und nur verbrannte Fahrzeugkarkassen und Leichen hinter sich zurücklassen. Um solchen Gemetzeln zu entgehen, sind die Deutschen gezwungen, sich ausschließlich nachts fortzubewegen; doch da erwarten sie die Widerstandskämpfer und verzögern ihrerseits das Vorankommen der deutschen Verstärkung.

Während dieser Zeit werden die Streitkräfte der Alliierten von Tag zu Tag größer und erhalten täglich im Durchschnitt 30.000 Männer, 7.000 Fahrzeuge und 30.000 Tonnen Versorgungsmaterial hinzu. Hinter den vor jedem der fünf Landungsstrände aus alten Schiffen geschaffenen Wellenbrecherlinien (den sogenannten Gooseberries) ist ein unglaubliches Hin und Her von Schiffen aller Größen zu beobachten. Auf See laden große Lastboote Material auf metallischen Kähnen, den sogenannten “Rhinos Ferries” oder auf den “Dukw”-Amphibienlastwägen ab, die den Transit bis zu den Stränden gewährleisten. Weitere Boote mit flachem Boden, die sogenannten LST und LSI, dringen direkt bis zum Strand vor und aus ihrem Bug kommen Panzer, Lastwägen und Soldaten an Land. Vor Arromanches und Saint-Laurent beginnt die Montage von zwei künstlichen Häfen, den sogenannten Mulberries. In Port-en-Bessin sowie in Sainte-Honorine-des-Pertes soll schon bald über die PLUTO-Anlage mit Hilfe eines Systems aus flexiblen Pipelines der Treibstoff der Öltanker direkt zu den an Land installierten Depots befördert werden.

In weniger als zehn Tagen haben die Alliierten die Schlacht um den Brückenkopf davongetragen. Am 18. Juni sind bereits 600 000 Männer sowie 100 000 Fahrzeuge an Land gebracht worden. Ihre Zahl nimmt bedeutend schneller zu als die der Deutschen; auf diese Weise gelingt es rasch, eine Verbindung zwischen den unterschiedlichen Ansturmzonen herzustellen.

Die zwischen Sword und Juno noch offen gebliebene Bresche kann bereits am 7. Juni geschlossen werden. Am nächsten Tag wird der Kontakt zwischen den Engländern der 50. Division und den bei Omaha Beach gelandeten Soldaten hergestellt, die weit in das Innere des Bessin, zum einen westlich in Richtung Isigny und zum anderen südlich in Richtung Caumont-l’Eventé, 30 Kilometer in das Landesinnere, vordringen. Auf der anderen Seite der Les Veys-Bucht haben die Fallschirmspringer am 12. Juni Carentan erobert. Das “gefährliche Eck” zwischen den Sektoren von Utah und Omaha ist damit auch gefallen. Die Alliierten kontrollieren nunmehr einen lückenlosen Brückenkopf von rund einhundert Kilometer Länge von Quinéville im Westen bis Dives im Osten.