DER HECKENKRIEG

Nach der Einnahme von Cherbourg hatte Bradley seine Truppen auf eine Linie zwischen Carentan und Portbail gebracht, um einen Vorstoß in südlicher Richtung zu starten. Doch die in den ersten Tagen des Monats Juli gestartete bei strömendem Regen gestartete Offensive gerät rasch ins Stocken. Die Deutschen haben wertvolle Verstärkung erhalten und hatten genug Zeit, extrem wirksame Verschanzungen zu errichten, die von sehr schlagkräftigen Einheiten, wie den Fallschirmspringern von General Meindl oder Elementen der SS-Divisionen Das Reich oder Götz von Berlichingen verteidigt werden.

In ihren Plänen schenkten die Strategen von Overlord den spezifischen geographischen Bedingungen des Weidelands der Normandie keine ausreichende Beachtung. So hat die schwere amerikanische Kriegsmaschinerie große Schwierigkeiten, sich an dieses eher für Guerillakämpfe geeignete Labyrinth bestehend aus kleinen, von Hecken umgebenen Feldern und Feldwegen anzupassen. Für die mit Panzerschreck-Geschossen ausgestatteten deutschen Schützen ist es deshalb ein leichtes, aus dem Dickicht heraus die alliierten Panzer abzuschießen, die bei jeder Heckenüberquerung ihre ungeschützte Unterseite zeigen müssen.

Die in der Regel so entscheidende Unterstützung der Artillerie und der taktischen Luftwaffe ist hier keine große Hilfe, da es vollkommen unmöglich ist, die gegnerischen Positionen präzise auszumachen. Der sogenannte “Heckenkrieg” ist somit in erster Linie eine Infanterieschlacht, bei der die Verteidiger die überlegene Position einnehmen. In dieser Hölle müssen die GIs jede der unzähligen, immer gleich aussehenden eroberten Hecken mit Hunderten von Todesopfern bezahlen.

So werden 7000 GIs bei der Eroberung des bescheidenen Dorfes Sainteny, zwischen Carentan und Périers, getötet; zehntausend von ihnen werden vor dem Vorstoß nach La Haye-du-Puits am 8. Juli und vor der eine Woche später erfolgenden Ankunft vor Lessay außer Gefecht gesetzt. Jeder eroberte Meter entspricht dem Verlust eines Mannes! Einige Kompagnien bestehen nur noch aus ein par Dutzend Männern. Die Eroberung von Saint-Lô ist mit noch schrecklicheren Verlusten verbunden, da die Stadt von den die Hügel im Norden der Stadt besetzenden deutschen Fallschirmspringern verbissen verteidigt wird. Ein Kriegskorrespondent, der den Männern der 29. Division am 18. Juli in die “Ruinenhauptstadt” folgt charakterisiert das sich bietende Schauspiel als “das Tal des Todes”.

“Wir kommen nur im Schneckentempo voran”, erkennt Bradley an, “die Deutschen zwingen uns, jeden armseligen Meter, den wir gewinnen, mit einem horrenden Preis zu bezahlen.” Und ein anderer amerikanischer General fügt hinzu: “Dieser verdammte Krieg kann gut noch zehn Jahre dauern!” »

Der Juli 1944 ist zweifellos der schwierigste und schwärzeste Monat für die Alliierten. Den Vorhersagen zufolge hätten Sie an “T” + 60 die Bretagne befreit haben müssen und bei der Loire angekommen sein müssen. Tatsächlich kämpfen sie immer noch auf der Linie Saint-Lô-Caen ums Überleben. In mehr als drei Wochen ist die Front nur wenige Kilometer vorangekommen und musste dieses Vorankommen mit erheblichen Verlusten bezahlen. Somit müssen die Amerikaner noch mit gut einmonatigen Kämpfen rechnen, bevor sie Coutances erreichen.